Und täglich grüßt das Murmeltier

 

Stell dir vor, es ist 3.15 Uhr und neben deinem Bett steht ein 1,10 m großer, blonder, verstrubbelter Junge und der Tag beginnt ca. 3 Stunden, bevor der Wecker klingelt (natürlich auch an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen). Der Junge heißt Max, ist hellwach und unser Sohn.

 

 

Max ist im Juni 2009 ca. 3 Wochen  vor dem eigentlichen Geburtstermin, nach einer eingeleiteten und aus meiner Sicht als Papa turbulenten und schweren Geburt, als unser erstes Kind auf die Welt gekommen. Die ersten Minuten im Leben von Max waren geprägt von Atmungsproblemen, die ersten Tage von erhöhten Entzündungswerten sowie Gelbsucht und die ersten Wochen und Monate von einer Trinkschwäche. Mit dem Schlafen war noch alles in Ordnung. NOCH!

 

 

Nachdem sich die Trinkschwäche erledigt hatte und Mäxchen aussah wie ein Max, besser gesagt wie ein Michelinmännchen, begann die Sorge um seine Entwicklung. Mittlerweile war ein Jahr vergangen und seine Entwicklung beim Sitzen, Krabbeln, Stehen etc. entsprach nicht der von Gleichaltrigen. Nach ersten Beschwichtungsversuchen durch unseren Kinderarzt wie z.B. „das verwächst sich noch“ oder „da macht der einen Sprung und hat den Rückstand aufgeholt“, wollten wir der Ursache auf den Grund gehen.

 

 

Also sind wir mit Max unter dem Arm in einem Sozialpädiatrischen Zentrum vorstellig geworden und haben nach dem Ausschlussprinzip etliche Untersuchungen gemacht…Hörvermögen = gut, Sehvermögen = gut, Stoffwechselkrankheit = nein, Krankheit XY = nein, Krankheit XZ = nein, Krankheit XW = nein, Genuntersuchung = nein äh doch Treffer >>> SCHOCK ! Stillstand, Trauer, Sorge, Ratlosigkeit!

 

Auf einen Schlag war unsere Lebensplanung und unsere Seifenblase zerplatzt.

 

 

Überraschenderweise war das Max völlig egal. Er hat sich weiterhin benommen wie eh und je. Diagnose hin oder her. Mittlerweile also mit ziemlich genau 2 Jahren hat er seine ersten freien Schritte gemacht.

 

Als Max ca. zweieinhalb Jahre alt war kam Rosa auf die Welt. Max war jetzt ein großer Bruder.

 

 

Jetzt mit fünfeinhalb Jahren rennt und springt Max mit seinen Cousinen und Cousins umher. Natürlich nicht ganz so schnell und ganz so hoch. Seine Treppenangst hat er zu einem großen Teil überwunden. Er läuft Treppen, teilweise sogar frei, ohne sich festzuhalten, er rutscht sogar freiwillig auf dem Spielplatz und hat Spaß dabei. Ebenso verhält es sich mittlerweile mit dem Schaukeln. Laufrad fahren macht er sogar in einem schnellen Tempo mit zeitweisem freiem Rollen (ohne einen Fuß auf dem Boden). Die Betonung liegt hier immer auf freiwillig und Spaß. Denn alle diese Dinge haben wir mit viel Geduld, gut Zureden,  Geschrei, strampelnd auf dem Boden liegend, immer wieder probiert und geübt.

 

 

Natürlich nicht ganz ohne fremde Hilfe. Bis Max laufen konnte, hatte er Krankengymnastik und seit er zweieinhalb Jahre alt ist, sind wir mit ihm in die Frühförderstelle gegangen. Jetzt gehen wir mit Max zur Logopädie und Ergotherapie. Immer im Wechsel mit Pausen. Auch die klassischen und vermeintlich ganz normalen Kinderbespaßungen wie z. B. Babyschwimmen, Minimusik, Pekip,  Kinderturnen haben wir (hauptsächlich meine Frau) gemacht.

 

 

Im Regelkindergarten ist Max seit seinem 3. Geburtstag mit viel Freude und Begeisterung. Hier wird er einmal wöchentlich von seinem Heilpädagogen Tim besucht und zusätzlich wird Max im Kindergarten von einem FSJ´ler begleitet. Besser gesagt Max begleitet den FSJ´ler und sagt wo es lang geht.

 

 

 

Da war doch noch was ?!? Ah ja das Schlafen. Das macht Max ziemlich genau seit seinem dritten Geburtstag nicht mehr zufriedenstellend. Zumindest wenn sie meine Frau und mich fragen würden. Die Nächte gehen für Max von ca. 19.30 Uhr bis 3.15 Uhr oder 4.00 Uhr, manchmal auch nur bis 2.30 Uhr, manchmal aber auch bis 5.15 Uhr oder 6.00 Uhr. Das ist dann wie Weihnachten. Aber meistens grüßt uns das Murmeltier (in Anlehnung an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier) in Form dieses 1,10 m großen, blonden, verstrubbelten Jungen Namens Max um 4.00 Uhr morgens.

 

 

Ungeachtet des lustigen Untertones beginnen unsere Tage oft mitten in der Nacht mit lautem Geschrei, polternd, an Allem und mit allen Gegenständen klopfend und Türen knallend (man bedenke es gibt ja auch noch Rosa, die versucht zu schlafen). Dies zieht sich unter Umständen durch den ganzen Tag wie ein roter Faden. Schon die kleinsten Anlässe können bewirken, dass Max schreiend und tobend die Situation verlässt. Seine Frustrationstoleranz ist sehr gering und der Schlafmangel verstärkt die ganze Problematik zusätzlich.

 

 

Das schlaucht ganz schön und geht vor allem an die Substanz von meiner Frau und mir.

 

Neben der Familie und guten Freunden, sind es die Eltern meiner Frau, die eine große Unterstützung sind und uns immer wieder Verschnaufpausen verschaffen, welche auch unbedingt notwendig und lebensrettend sind.

 

 

Zum Ende hin möchte ich diesen kurzen Ausflug in die kleine Welt von Max und seiner Familie mit einer Aussage von einer heißgeliebten Erzieherin aus dem Kindergarten beschließen, die in ihrem ersten Jahresbericht Max unter anderem wie folgt beschrieb:

 

 „Sein Spaß und seine Freude an allem, was er tut, mit allen, denen er begegnet ist deutlich zu sehen, zu spüren und sehr ansteckend. Er gibt eine Herzlichkeit weiter, die tief in ihm steckt.“